Das sagt dir doch der Hausverstand


Die Kärntnerin sitzt im Zug und denkt nach. Erstens zieht sich die Fahrt und zweitens hat sie da einen Artikel gelesen. Im A la Carte, über Slowfood und Wertschätzung von Lebensmitteln.


Am Tag zuvor war sie einkaufen, es war schon spät und schnell musste es gehen. Also noch schnell in die Kleinstadt und den besten Laden. Dort gibt es so viele gute Biosachen, ja natürlich und dann noch so ein süßes Schweinderl. Da kauft man gerne ein, sagt einem ja der Hausverstand.

Vor ihr an der Kasse ein junges Paar, einige Einkäufe und ein Doppler Weißwein. Und über das Paar mit dem Doppler denkt die Kärntnerin jetzt zum Beispiel nach aber auch über Hendln und über Schwammerln.

Warum kauft jemand, der mitten in einem Weinbaugebiet wohnt (echt grauslichen, das behauptet die Kärntnerin jetzt einmal so) Weißwein im Supermarkt? Wo es doch an jeder Ecke einen Winzer mit gutem und günstigem, manchmal auch weniger gutem, dafür noch günstigerem Wein gibt? Und warum kostet in demselben Laden ein ausgelöstes Hendlfilet fast genauso viel, wie ein ganzes Hendl in Aktion? Und warum kommen die Marillen jetzt aus Neuseeland? Und kosten trotz weiter Anlieferung per Flugzeit viel weniger als die einheimischen? Und die Eierschwammerln aus Litauen, die die Frau Oberansicht dort (mitten in der Schwammerlsaison!) gesehen und nicht gekauft hat, was haben die da zu suchen, wer will die haben? 

Ja, was sagt der Hausverstand eigentlich DAZU?

Der von der Kärntnerin sagt ihr nur eines: Liebe Kärntnerin, ärgern hilft da gar nix, du bist selber schuld, warum gehst du denn da auch hinein, in den Laden. Im Garten wächst und gedeiht das schönste Gemüse, die Hendln brauchst du sowieso nie zu kaufen, die bekommen der Winzer und du doch sowieso ganz frisch von der Winzer-Mama, die besten Eierschwammerln gibt’s sowieso in Kärnten und ein bisschen Platz für einen eigenen Marillenbaum wäre doch auch noch vorhanden. Für alles andere könntest du den Bauernladen öfters besuchen. Da parkt man zwar nicht so gut und ein paar Euros mehr lässt du wahrscheinlich auch dort, aber das ist es dir doch wert, oder?

Packerl auspacken und wieder einpacken

Trari Trara, die Post war da.

 

 


Mit überraschenden Grüßen aus Kärnten. Wunderbar duftende, ganz frisch 'erlegte', gar köstliche Grüße aus dem Wald. Schwammerln juhu, d. h. Schwammalen in Kärnten bzw Pilze außerhalb von Österreich.
Schön verpackt, damit ihnen auch ja nichts passiert, leuchten sie der Kärntnerin beim auspacken entgegen. Herrnpilzaln (Steinpilze) und Eierschwammaln (Pfifferlinge), das gibt ein feines Schwammerlmenü. Winzer und Kärntnerin im Schwammerl Paradise. 
Vor lauter guter Laune hat sich die Kärntnerin, zum Kochen gleich einmal ein Achterl Wein eingeschenkt. So wäscht es sich die Schwammerln gleich viel besser. 


Ja, hier werden die Schwammerln gewaschen, ist ja noch so einiges an Wald dabei. Und ja, die darf man ruhig waschen. Und Neeeeiiiiiiin, die saugen sich nicht mit Wasser voll.. Die Schwammerln sind so frisch und fest, die könnte man in Wasser einlegen, die würden da nichts aufsaugen! Keine Ahnung wer das in die Welt gesetzt hat, dass man die Schwammerln nicht waschen darf. Vielleicht jemand, der nur Schwammerln im Supermarkt aus wer-weiss-schon-woher und wer-weiss-schon-wie-alt kennt. Aber da können der Winzer und die Kärntnerin nicht mitreden. Sowas kommt denen nämlich nicht in die Winzer-Küche. Ok, verwöhnt sind die da natürlich, bei der guten Schwammerl Versorgung durch Herrn und Frau J. Forst...

Sobald die Schwammerl sauber und geputzt sind, wird wieder gepackt. In Alufolie, mit etwas Speck und frischen Kräutern - Pilzpackerln aus dem Ofen. 



Das wird die Vorspeise. Und dann was Klassisches. Fleischloses Lieblingsgericht vom Winzer, Familienrezept der Kärntnerin, ungeschlagen die Nummer 1 unter den Eierschwammerl-Rezepten: Schwammerlsauce und Knödel.
Und weil der Wein im Glas so gut war, hat die Kärntnerin ihn nicht nur (sparsam) in die Pilzpackerln einfließen lassen, da gehört ja auch einer rein, sondern ist auch noch mutig vom Originalrezept abgewichen und hat die Eierschwammerln, nach dem anrösten, mit einem Schuss abgelöscht. 


Also besser, da sind sich die beiden einig, hätten sie ihm besten Sternerestaurant auch nicht essen können!

Und psst, nicht weitersagen, obwohl ja Wochen- und Arbeitstag, hat es zu den Schwammerln dann auch gleich noch ein weiteres Achterl gegeben. Das erste war ganz schnell leer.

Say hello to Johnny


Beinahe könnte die Kärntnerin da neidisch werden… Nicht, dass das virtuelle Feedback irgendetwas aussagen würde. Facebook, wer nutzt das schon. So ein „Gefällt mir“ das ist doch eh gar nichts. Ähem, ja. Aber reingeschaut wird eben doch immer wieder und was reingestellt auch, naja… häufig. Und sagen wir, wie es ist. Keines ihrer hochgeladenen Bilder hat DAS geschafft. Kein noch so liebevoll fotografiertes Detail des malerischen Wein4tels, keine kunstvoll inszenierte Köstlichkeit, nicht einmal ein lustiger Link, ein Artikel, Geschichtchen, oder eine Einladung.


Der dafür schon. Johnny. Momentan noch Little John. Irgendwann einmal Big John (kleiner Weinwitz, Anm. d. Red.).  Ein schnell entstandener Schnappschuss vom gerade eingezogenen Katzenkind hat innerhalb von 24 Stunden gleich fast 40 Gefällt mir und einige Kommentare erhalten.


Ein Foto vom Winzer und der Kärntnerin hingegen, welches das Profil ziert, hat es in einem halben Jahr auf gerade einmal 26 x Daumenhoch gebracht. 


Aber zugegeben, der kleine, freche Kerl ist eben wirklich so herzig. Und hat so nicht nur das Herz vom Winzer und das Herz von der Kärntnerin im Sturm erobert...



















SOMMER Teil I - Flower Power

 BLÜTENPRACHT RUND UMS HAUS


LYCHEETOMATE


HIBISKUS & HUMMEL



KLETTERROSE




 OLEANDER



 CLEMATIS



 FEUERBOHNE


& INSIDE

Vom Frühstück und glücklichen Eiern


Der Winzer und die Kärntnerin frühstücken leidenschaftlich gern. Jeder Sonntag, Feiertag und sonst irgendwie möglicher Tag wird genutzt.

Und Frühstück heißt hier eigentlich schon Brunch, denn meist ist der Vormittag schon fortgeschritten, einiges an Arbeit erledigt und so schon ein schöner Hunger vorhanden. Süßes hat eher weniger Platz. Ein traditionelles Marmeladebrot kann weder den Winzer noch die Kärntnerin begeistern.

Je nach Lust und Laune gibt es abwechselnd eigentlich nur 2 Arten von einem „richtigen“  Frühstück im Winzer Cottage. Entweder mit Aufstrich, Käse, Schinken, verschiedenem Brot oder Gebäck, Kaffee oder Tee, (frisch gepresstem) Saft und Gemüse. Oder eine FRÜHSTÜCKSPFANNE.


Die Frühstückskultur ist der Kärntnerin schon in die Wiege gelegt worden und  wurde auch zu Studentenzeiten bei der Kärntnerin und der Schwester gepflegt. Typisch Studentinnen, hat sich dann eine einfache, preisgünstige Variante, das Früchstückspfandl, etabliert und wurde sozusagen mit ins Weinviertel importiert. Hier sind durch die Begeisterung des Winzers immer neue Ideen und Varianten dazugekommen.

Der allerbeste Zeitpunkt für so ein Frühstück, bei dem keine Wünsche offen bleiben ist der Sommer. Kurz im Garten vorbeischauen und ernten. Kohlrabi, alle Arten von Paradeisern, Paprika werden roh zum Frühstück verspeist, oder zusammen mit Frühlingszwiebeln, Zucchini, Erbsenschoten, Spargel oder was eben sonst gerade Saison hat zu einer Frühstückspfanne verarbeitet.



Hinein ins Pfandl, wandern natürlich auch noch glückliche Eier. Ob die  Hühner, die die glücklichen Eier legen auch wirklich glücklich sind, das können sie einem natürlich nicht erzählen…  Aber der Winzer und die Kärntnerin wissen eben genau, was die Hendln zu fressen bekommen und dass sie nur bei der momentan herrschenden  Hitze wirklich viel Zeit im Stall verbringen und sonst fröhlich gackernd durch den Hof von des Winzers Mutter stolzieren. Also glückliche Eier und das macht Winzer und Kärntnerin glücklich.


Je nach Gusto  kommen dann die Sachen dazu, die den Winzer noch glücklicher machen. Zum Beispiel Speck, Schinken oder Rostbratwürstel…
Und Kräuter. Viele frische Gartenkräuter, die Krönung jedes Frühstücks und die machen wiederum die Kärntnerin glücklich. Schon beim Ernten, weil es einfach so herrlich duftet.

Vielleicht noch eine Hand voll Himbeeren als Nachspeise, oder Erdbeeren, bald Brombeeren oder ein Weingartenpfirsich. Mmmmhhhhhh so ein Tag kann nur ein guter werden…

Die Sache mit dem Spritzsack - Cannelloni mit bunter Mangold-Ricotta-Füllung



Vor Jahren haben die Kärntnerin und die Schwester einmal versucht Canelloni zu füllen. Fazit: einmal und nie wieder. Ewiglanges Herumgetue um irgendwie die Fülle in die Nudeln zu bekommen.

Diesen Vorsatz ins Wanken gebracht haben dann aber 2 Dinge. Erstens waren die Canelloni so gut und zweitens war da ein Beitrag im Fernsehen. Die Kärntnerin hat da gelernt, Canelloni lassen sich ganz einfach mit einem Spritzsack füllen. Hm klingt doch um so viel besser! 
Trotzdem hat es dann noch sehr lang gedauert, bis das Projekt angegangen wurde. Extra einen Spritzsack nur für Canelloni besorgen? 
Doch dann die Erkenntnis, statt einem Spritzsack, kann man doch ein Tiefkühlsackerl nehmen. Und als sich dann auch noch frischer bunter Mangold aus dem eigenen Garten  angeboten hat, blieb keine Ausrede mehr, die Canelloni nicht anzugehen.



Also, ab in den Garten und Mangold ernten.


Klein schneiden und Fülle machen. Tiefkühlsackerl her, Fülle hinein, ein Eck abschneiden und 2 Minuten später war alles fertig!


Canelloni mit Mangold und Ricotta (abgewandelt nach Jamie Oliver)

  • 400g Mangold, oder Spinat
  • 1 Zwiebel
  • 3 Zehen Knoblauch, in Scheiben geschnitten
  • 2 Dosen Paradeiser (Tomaten)
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 Handvoll Basilikum
  • 250g Ricotta
  • 1 Ei
  • 2 EL Parmesan
  • 150g Canelloni
  • 250g Mozzarella
  • Muskatnuss, Olivenöl, Salz, Pfeffer
 Mangold klein schneiden und in Olivenöl andünsten. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und zugedeckt 10 Minuten leicht köcheln lassen. 
Zwiebeln hacken und in Olivenöl dünsten, bis sie weich sind. Knoblauch kurz mitdünsten, dann Paradeiser, Lorbeer und etwas Basilikum dazu geben. 20 Minuten köcheln lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Flüssigkeit aus dem Mangold pressen und zu dem Ricotta in eine Schale geben. Eventuell den Mangold noch kleiner hacken und dazu geben. Ei und Parmesan unterrühren, großzügig würzen.
Fülle in einen Spritzsack füllen und in die Canelloni spritzen. Diese in eine Form legen und mit der Paradeissauce übergießen. Restlichen Basilikum drüber verteilen und mit Mozzarella belegen. Mit etwas Salz bestreuen und mit Olivenöl beträufeln.


 35-40min im Ofen bei 180° C goldbraun backen

Guten Appetit!

P.S.: Und was trinkt man jetzt dazu????