Vom Aufgeben

Hin und wieder, da muss man etwas aufgeben.
Zum Beispiel wenn etwas dazu kommt, oder jemand...


Es ist 'nur' eine Wohnung, eine kleine, gemütliche. Mit Balkon, ruhig, mit grünem Hinterhof. Am Abend, wenn man draußen sitzt, kann man die Fledermäuse vorbei flitzen sehen, früh morgens gurren die Tauben vom Dach. Rundherum pulsiert die Großstadt.
Die Landmenschen bedauern die Stadtmenschen, sie könnten da nie leben, sagen sie. Der Lärm und der ganze Dreck und viel zu kleine Behausungen. Staus und keine Parkplätze und dieses Unpersönliche. Die Stadtmenschen dagegen schauen auf die Landbevölkerung etwas herab. Bauern eben... Keine Bildung wahrscheinlich, leben irgendwo am A... der Welt, ohne Kultur, wie kann man nur?

Die Kärntnerin hat das immer schon locker gesehen, Großstadtliebhaberin durch und durch, den Balkon aber immer voller Pflanzen und Kräuter, Urlaub in Kärnten, in den Bergen, in der Einsamkeit und der Plan, nicht immer direkt in der Stadt zu bleiben. Der Winzer ist da auch recht offen, natürlich, sonst würden die beiden ja nicht zusammenpassen. Na gut, am Anfang war er als eigentlicher Landmensch doch mit einem Haufen Vorurteilen belastet, hat sich von der Kärntnerin aber schnell das Beste an der Großstadt zeigen lassen und die Vorteile zu genießen gelernt.

Das Gelbe vom Ei, aus beiden Welten, haben der Winzer und die Kärntnerin sich ausgesucht. Ein Haus im Weingebiet, ein kleiner verschlafener Ort und vor allem viel, viel Platz. Ein großer Garten, der der Kärntnerin viel Freude macht, Werkstatt für den Winzer zum basteln. Platz im Hof für Gartenmöbel, Kräutergartl, Wäschespinne und ein bisschen Rasen (ach ja und viele, viele Topfpflanzen). Ein altes, kleines Stallgebäude, das jetzt ganz allein der Meerschweinchenbande gehört. Hauskatzen, die ein und aus marschieren und segelnde Schwalben komplementieren die Idylle.

Und wenn das Landleben zu eintönig ruhig ist und sie gerade einmal Zeit haben, dann geht es ab in die Stadt. Freunde treffen, die Auswahl an Restaurants nutzen, Vinotheken besuchen, oder am Donaukanal einen lauen Sommerabend genießen. Kein Auto wird gebraucht, also mus auch keiner fahren, sondern U-Bahn und Taxi. Ins Kabarett vielleicht, oder ins Musical?

Das Gelbe vom Ei, wie gesagt.

Aber wem soll man was vormachen, so ein Lebensstil, der kostet. Der Winzer und die Kärntnerin leben sonst ja nicht auf großem Fuß. Keine Flugreisen oder Luxusurlaube, kein neues Auto, kein teurer Schmuck, Designerklamotten oder teure Einrichtungsgegenstände. Warum? Interessiert sie sowieso nicht, brauchen sie nicht.

So ist das Leben für beide perfekt. Nichts, was man jetzt gerne aufgibt. Außer man hat einen Grund.

Wenn so ein kleines Winzerkind unterwegs ist, dann dreht sich die Welt aber plötzlich in die andere Richtung, alles erscheint in einem anderen Licht und was bis jetzt wichtig war ist es nicht mehr so sehr.


Und so muss die kleine Wohnung einen neuen Bewohner finden. Das Winzerhaus wird dagegen voller. Und siehe da, die Möbel, die die Stadtwohnung so gemütlich gemacht haben passen auch perfekt ins Winzer-Landhaus. Auf dem Sofa dürfen sich ab jetzt die Gäste in der Nacht bequem machen und der Fernseher freut sich über seinen neuen Platz im Wohnzimmerkasten, der soviel schicker ist, als das alte TV-Regal.

Nur noch schnell

Kärntnerin: Du, wir müssen da noch was erledigen, wann fahren wir?Winzer: Gleich, ich bau' da nur noch schnell was für das Kinderzimmer zusammen...




Ähm, 'nur schnell', die Kärntnerin hat das so ihre Zweifel... (der Winzer aber auch, nach dem Auspacken ;-))

Eine kleine Vorschau und Offene Kellertür

Ein altbekannter Freund hat sich wieder im Winzerhaus niedergelassen und verzögert das Erscheinen regelmäßiger Neuigkeiten aus dem Winzerleben. 

Aber die nächste Geschichte ist schon in Arbeit und damit die Wartezeit nicht zu lange wird gibt es heute einmal eine kleine Vorschau darauf. Sie handelt vom Aufgeben und vom Weitermachen, einem Anfang und einem Ende. Gekocht wird natürlich auch wieder etwas, einfach und raffiniert zugleich, ein Frühlings- und Sommeressen, wandelbar und schnell zu machen.

Und wem das nicht genug ist, der macht sich jetzt auf die Beine und besucht den Winzer und die Kärntnerin persönlich. Lässt sich bei Speis und Trank gemütlich in der Kellergasse nieder und fragt genauer nach, was da in nächster Zeit kommt.