Kräuterhexen und Reisepläne

Der Kärntnerin fällt auf, es wird gern geurlaubt. Ein, zwei, vielleicht sogar dreimal im Jahr, je nachdem, ob man sich das leisten kann und sich so viel loseisen kann, von Job und Alltag, geht es weg, möglichst weit weg. Österreichflucht sozusagen. Ans Meer oder Cityhopping, die Pyramiden besichtigen oder eine Safari machen. Der Winzer und die Kärntnerin waren noch nie so die ganz begeisterten Fernreisenden, hängt wahrscheinlich daran, dass immer Arbeit wartet, dass der wenige Urlaub gern in Kärnten verbracht wird und überhaupt und sowieso daran, dass ewig am Flughafen warten, in den engen Sitzen stundenlang die Zeit totschlagen, sich auf riesigen Flughäfen zurecht finden zu müssen, bei der Gebäckausgabe ärgern usw. irgendwie nicht so nach dem Geschmack der beiden ist. Traumhaft sind die Ziele schon und die Kärntnerin schaut sich gern die fremden Urlaubsbilder an, aber selbst machen? Na und jetzt geht sowieso gar nichts mehr. Das Winzerkind ist noch zu klein um zu verreisen und die Urlaubskasse ist sowieso gähnend leer. Ein bisschen Urlaubsfeeling solls aber doch sein. Die Lösung liegt auf der Hand, oder besser gesagt: vor der Haustür.

Travelling your own backyard


Der eigene Hinterhof, oder auf weinviertlerisch 'Hintaus' soll es sein. Häh? Wie bitte? Natürlich reichen die Ambitionen etwas weiter als bis zum eigenen Garten, der Garage oder dem Hof. Aber der Begriff beschreibt einfach sehr gut, was der Winzer und die Kärntnerin vorhaben. 
Das eigene Umland, die eigene Region. Unbekannte Kellergassen, mystische Orte, noch nicht besuchte Ausflugsziele und Orte, die der Winzer und die Kärntnerin schon längst entdeckt haben und gerne hier vorstellen möchten. Geheimtipp-Suche, Lokale, Restaurants, Heurige, regionale Betriebe mit tollen Produkten im Weinviertel und vielleicht auch im angrenzenden Tschechien. Urlaub einmal anders. Viele kleine Entdeckerferientage. Immer wenn es sich ausgeht, wenn Zeit ist und wenn ein aufregendes Ziel am Horizont auftaucht.

UND: der Kärntnerin würde sich freuen, wenn das Schule macht. Wenn sich auch andere beteiligen möchten, die stolz auf die eigene Heimat sind, aber sie eigentlich zu wenig kennen, oder sie denen näher bringen wollen, die immer weit reisen, aber noch nicht wissen, dass das Gute doch so nah liegt.

Und was haben die Kräuterhexen damit zu tun?


Die Kärntnerin macht grad Kräuterkunde-Ausbildung im Kräuterdorf Neuruppersdorf. Weil sie Kräuter interessieren. Die aus dem Garten schon lang, die vor der Haustür auch, aber da kennt sie sich noch nicht besonders gut aus. Und Neuruppersdorf ist schon wieder ein ganz anderer Teil des Weinviertels, trägt also auch wieder dazu bei, im Weinviertel herum zukommen. Und die Kräuterkunde trägt dazu bei, ausgedehnte Spaziergänge zu machen und dabei die Augen noch mehr offen zu halten und neue Spazierrouten auszusuchen

Also dann, auf ins Abenteuer!

P.S.: Tipps sind gerne willkommen, was ist sehenswert im Weinviertel, was haben der Winzer und die Kärntnerin noch nicht entdeckt?

Das Geheimnis des Liptauers



Rettet den Liptauer, heißt der Aufruf von der Giftigen Blonden, der die Kärntnerin ereilt hat. Wieso? Ist der wirklich am verschwinden? Gerade hat die Kärntnerin gelesen, dass in den Supermärkten schon mehr Kichererbsenaufstrich verkauft wird, als Liptauer. Kein Wunder, der fertige Humus ist ja ganz okay, der Liptauer schmeckt, naja wie drückt man das jetzt schön aus. Egal, bleiben wir ehrlich: Er schmeckt einfach NICHT.
Also, die Kärntnerin beteiligt sich an der schönen Aktion, bei der mehrere BloggerInnen ihre Liptauer Version vorstellen. Mehr mit einer Geschichte als mir einem konkreten Rezept, aber dazu gleich mehr.

Der Liptauer


Zuerst holen wir etwas aus: 'Der Liptauer ist ein pikanter Brotaufstrich  aus der slowakischen und österreichischen Küche und  typischer Bestandteil des Speiseangebots beim Heurigen', kann man auf Wikipedia nachlesen. Im 'echten' Liptauer, lesen wir weiter, wird Brimsen verwendet, ein gesalzener Schafstopfen. Die wichtigste Zutat zur Farbgebung ist Rosenpaprika. Gereicht wird er als Aufstrich oder auch als Dip.

Die Kärntnerin und der Liptauer


Der Winzer isst sehr gern Liptauer. Aber mag ihn die Kärntnerin überhaupt? Die Antwort ist Jein. Früher gar nicht. Jetzt schon, aber nur den von der Schwiegermama, woanders nicht, oder nur selten. Der Winzer eben schon, der bestellt sich auch gern einmal auswärst einen. Hat es mittlerweile aber fast aufgegeben, weil irgendwie bekommt man selten einen wirklich guten. 


B(r)in(m)senweisheiten?


So ein Projekt weckt natürlich den Ehrgeiz, den Ehrgeiz 'echten' Liptauer herzustellen. Und dazu braucht man Brimsen. Eben diesen gesalzenen Schafstopfen. Wie sich herausstellt im Weinviertel schwer (nicht) zu bekommen. Und ganz ehrlich. Braucht man den denn wirklich? Die Kärntnerin ist sich sicher, dass die Turbohausfrau (ganz streberhaft ;)) ein Originalliptauerrezept beisteuert und der Weinviertler Liptauer wird traditionell eben nur mit 'normalem' Topfen gemacht. Genauso schmeckt er dem Winzer und der Kärntnerin auch. Also solls dabei bleiben. 

Das Geheimnis des Liptauers und der Liptauer von der Schwiegermama


Während sich die anderen also die Finger wund recherchieren, nach dem perfekten Rezept, hat die Kärntnerin es leicht. Sie nimmt das hauseigene Rezept, mit dem die Schwiegermama schon viele Jahre lang die Besucher bei der Offenen Kellertür verköstigt. So und jetzt kommt es. Das 'Geheimnis' des Liptauers:


Wenn der Liptauer beim Kosten gut schmeckt, dann ist er es nicht. Das Geheimnis liegt eben im richtigen bzw. in diesem Fall im falschen Abschmecken. Wenn man beim Kosten den Mund verzieht weil er zu intensiv ist und sofort den Kühlschrank aufmachen möchte um noch mehr Topfen drunter zu mischen, weil es versalzen schmeckt, dann stehen die Chancen gut, dass er genau richtig ist. Schmeckt er jetzt schon genau richtig, dann ist er am Brot sicher genau eines: langweilig. Man muss ihn jetzt aber nicht auf gut Glück überwürzen.

Das Geheimnis lautet also: Brot aufschneiden, Liptauer drauf und kosten. Dann passt es.

So und dann noch zwei Kleinigkeiten. Ein Rezept ohne Würzmengenangaben? Ja! Laut der Schwiegermama nimmt man nämlich genau so viel, wie es braucht. Wer sich nicht drüber traut, der orientiert sich besser an den anderen Rezepten (Links am Ende des Posts).
Und: ein bissl scharf darf es sein, muss es im Winzerhaushalt sein. Ein bissl hausgemachte Chilipaste verleiht dem Liptauer noch den letzen Kick, zusätzlich zum rosenscharfen Paprika. 



Pikanter Weinviertler Liptauer:


2 Teile Topfen (250g)

1 Teil Butter (125g)

1/2 kleine Zwiebel, gehackt

2 Zehen Knoblauch, gehackt

soviel wie's eben braucht:

Rosenscharfes und edelsüßes Paprikapulver

Kümmel zerkleinert oder gemahlen

Senf 

Sardellen, gehackt oder Sardellenpaste

Gewürzgurkerln, gehackt

Schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen

etwas Chilipaste oder geriebener Chili


Alle Zutaten vermischen, aufs Brot schmieren, abschmecken. Fertig. Mahlzeit! Und unbedingt ein Glaserl Wein dazu trinken! Einen grünen Veltliner, am besten einen Weinviertel DAC.

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Die anderen Teilnehmer und ihre Liptauerrezepte: